LOCOPHOBIA - Wo willst Du leben?

Folge 2: Mr. UnErreichbar vs. Mr. ZuHaben


Lieber Momo, containern finde ich zwar klasse, aber an deiner Stelle würde ich in der Provinz die Finger davon lassen. Das Hauptproblem in der Provinz ist nämlich, dass man hier immer die richtigen Leute im falschen Moment trifft. Und das kann echt ins Auge gehen. Zum Beispiel, wenn man Single ist und mal nicht weiß, was man will. Schwärmerische Verliebtheit oder unkomplizierte Zweckbeziehung? Wenn man das in der Provinz nicht weiß, dann ist übel, richtig übel. Denn sonst verliebt man sich in Mr. UnErreichbar, mit dem nichts weiter geht, als ein Emailaustausch mit vielen Flirt-Avancen. Und gleichzeitig, ohne viel Dazutun wird man aber von Mr. ZuHaben im Sturm vom Boden gefegt. Wenn einem der Herbststurm von Mr. ZuHaben dann zu viel wird, und man schreit, nein, bevor meine Winterromantik im Wirbelwind der Zweckbeziehung verloren geht, flirte ich lieber per Email und zwar in gemütlicher Fass-mich-nicht-an-Ruhe! Dann passiert: der letzte Kuss für Mr. ZuHaben - denn jetzt ist endgültig Schluss mit Herbststürmen! - in der Lieblingskneipe an der Ecke, und mittenrein platzt: Mr. UnErreichbar. Der vor vier Stunden zum ersten Mal seit Wochen per Email gehen-wir-Kaffee-trinken fragte. OHUAUTSCH, kann ich dir sagen. Und da stell ich mir vor, dass das Gesicht von Mr. UnErreichbar exakt so ausgesehen hat, wie wenn dich einer deiner Berliner Auftraggeber beim Containern erwischen würde. Also, Achtung, Hauptstädter: in der Provinz dreht man sich besser vorher viermal um die eigene Achse und guckt gefälligst, ob da WIRKLICH niemand steht, der einen beim Falsche-Leute-Küssen erwischen könnte! Oder hast du einen besseren Tipp?

1 Kommentar MOMO am 5.11.08 01:36, kommentieren

Folge 1: Aus der Dose? Aus der Tonne!

Sag mal, Charlotte, kennst Du eigentlich „Containern“? „Containern“ meint, Lebensmittel aus Supermarktmülltonnen zu holen, die täglich wegen überschrittenem Haltbarkeitsdatum, Verpackungsmängeln oder geringen optischen Fehlern weggeworfen werden. Bis vor ein paar Tagen hatte ich noch nie davon gehört. Dann aber habe ich mit einem Freund bei YouTube nach einem Video gesucht, dass das Mülltrennen am Fließband per Hand zeigt, durch Zufall sind wir dabei unter den verlinkten Videos auf eine halbstündige Dokumentation über „Containern“ gestoßen.

In den letzten Tagen habe ich das Ganze mehrfach selber ausprobiert - und dabei folgende Feststellungen gemacht. Erstens: Es funktioniert. Neben einem Dreierpack Paprika konnte ich einen Eisbergsalat (in Plastikfolie), 1,5 Liter Apfelsaft, 1 Liter Buttermilch, Putenbrustbraten und 2 x 500 g Quarkcreme einsammeln. Zweitens: Es kostet Überwindung an die Tonnen zu gehen. Automatisch guckt man, ob auch keiner guckt, bis man entdeckt, dass sich andere auch so verhalten und man schließlich einvernehmlich gemeinsam den Container sichtet. Drittens: Es gibt Supermärkte, die boykottieren das. Manche sperren ihre Container nicht nur ab, sondern bauen auch noch einen Gitterkäfig drum herum, andere wiederum sorgen dafür, dass alle Waren so versifft sind, dass man lieber die Finger davon lässt. Alles in allem ein interessantes Experiment finde ich, weiß aber noch nicht, ob ich das jetzt regelmäßig mache. Was meinst Du, ist so was ein Großstadtphänomen, oder gibt es das bei Euch in der Provinz genauso?

1 Kommentar MOMO am 1.11.08 01:22, kommentieren