LOCOPHOBIA - Wo willst Du leben?

Folge 6: Frisur für alle Fälle

Lieber Momo,

ich begreife mich, was Pläne angeht, ja immer ganz gerne als Opfer. Ich geh morgens in friedfertiger Absicht los und komm am Abend verprügelt heim. Und frag mich dann, was um alles in der Welt ich wieder verbrochen habe. Verstehst du? Aber das wäre mal ein Thema für einen schönen Jammerblog, so für kurz vor Heiligabend (den ich dieses Jahr EINSAM und ALLEINE verbringen muss, ohGottohGott).

Also lieber noch ein bisschen was Witziges bevor der Weihnachtsblues einsetzt:
meine vielseitigen Talente und die andauernde Wirtschaftskrise in meinem Sparschwein (zum Konto bei der Bank langt das Ersparte leider nie) führen mich ja oft in die witzigsten Situationen hinein. So zum Beispiel die letzten Tage raus aus der schwäbischen Provinz rein in die bayerische Konkurrenz.
Ich habe schnell festgestellt: so viel Unterschied ist da nicht! Pietät herrscht überall, und auch der Spießbürger bleibt, was er am besten kann: spießig.
Sieht man also mal von den Mentalitätsdifferenzen ab - die Schwaben können alles, außer höflich (sein) – änderten sich schwäbische Hügel zu alpinem Vorgebirge, sonst blieb alles anders, nein, eher, mir auf gleiche Art und Weise fremd.
Was mich total enttäuschte. Denn in meinem jugendlichen Leichtsinn hatte ich gehofft, meine Provinz sei einzigartig, unverwechselbar, urig. Vergiss es, meen Lieba! Ein Blick aufs Stadtbild genügte – ich werds dir mal am Beispiel der Frisureneinheit erläutern: offenbar gibt es in Schwaben wie in Bayern einen etablierten Einheitsschnitt. Oder wie sollte ich mir sonst erklären, dass hier jeder die gleiche Frisur trägt? Denn das jedes Kaff nur über einen Friseur verfügt, nee, das kann ja nicht sein.
Egal wie. Die Beobachtung ergab: schwäbische wie bayerische Damen tragen würdevoll-elegant den Einheits-Topfponyverschnitt – du weißt schon: die Version, die unsere Mütter uns mit 5 Jahren in den guten alten 80igern seriell mit dem Milchtopf verpassten. Schnipschnapp, ab.
Und die Herrn?
Da war wenigstens ein Generationsunterschied auszumachen: in jungen Jahren trägt der Buar` und Bursch` einheitlich die Möchtegernvokuhila. Gern auch mal mit Strähnchen (igitt). Mit zunehmender Reife wandelt sich das jugendliche Antlitz dann zum Modell Jagdpächterkahlfraß um. Das ist die nur noch millimeterhoch stehende Abrasierkonstruktion, die Frisur für alle Fälle.
Nicht zu vergessen: all diese, äh, Schnitte? Konstrukte? stammen selbstverständlich aus der Stillos-Schublade und klar, es muss dazu auch den Gewollt-aber-nicht-gekonnt-Sonderrabatt des hiesigen Barbiers gegeben haben.

Muss ich dazu noch ein „Autsch“ fügen, oder kannst du dir das auch so vorstellen?

CHARLOTTE am 1.12.08 11:31

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


soljutschka (6.12.08 13:00)
aua!...hey auch ich hab so nen blöden pony! nach deinem komentar bin ich selbst zur hand gegangen und jetzt habe ich haare-in-den-ventilator-version oder kindergarten-bastel-schere-version...na danke loca!---darüber hinaus: große weihnachts-asyl-aktion bei mir!...kommst du?

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