LOCOPHOBIA - Wo willst Du leben?

Folge 10, erster Teil: Von Menschen und Katzen

Hallo Charlotte, hallo Momo.
Ertrotzen klingt so passiv. Bleibt meinetwegen passiv und lasst andere für eure Abwesenheit zu Weihnachten schuften: die Arbeit! Das Totschlagargument. Für die erste Nachkriegsgeneration ist das das High-End der Fresskette. Da nützt auch das dekadenlange Tränenvergießenüben mütterlicherseits (bitte, wer, wenn nicht sie, ist auf diesen Moment bestens vorbereitet) nichts. Da nimmt man gerne in Kauf, wie mir geschehen, dass in der inzwischen sinnfreien Weihnachtspost solch Zeilen stehen wie „auf ein baldiges Wiedersehen!“. Ich hatte nur noch nicht Gelegenheit davon Kunde zu tun, dass ich meine festgelegte maximale Anwesenheitsdauer im Heimatort von seinerzeit 48 auf 24 minus x Stunden korrigiert habe.

Der freakige Typ von der Behmbrücke im Prenzlauer Berg während der Neujahrsnacht sollte auch mal korrigiert werden. Was sein soziales Umfeld, Zeitdauer der öffentlichen Zurschaustellung und einiges andere betrifft. Nur kurz: Während sich Freunde und Bekannte glücklich und beschwippst umarmten und an einfachsten Illuminationen ihre Freude hatten, zog er in eigenwilliger Kostümierung mit freigelegten Nippeln in die rauchige Brückenmitte, posierte für seine begeisterungsfähigen, frisch pubertierenden Prekariatsfreunde und feuerte lustig aus der Hand geschossene Raketen Richtung vorbeifahrender Autos. Dass die Geschosse in der Menge auf der gegenüberliegenden Seite landeten, ärgerte uns arg und bewog uns zum Ortwechsel. Gesagt haben wir trotzdem nichts. Wahrscheinlich wegen der Aussichtslosigkeit. Nimm so jemandem mal die 50€ schwere Böllertüte weg und versenk die mit seinen sieben frischen Katzenjungen.

So ihr beiden, auch wenn es bis hier hin spektakulär wirkte: Nein, denn zwischen Weihnachten und dem mittlerweile 3.1.09 hat es mich ordentlich bei 39,5°C und diversen Nebenwirkungen bei der Stange bzw. im Bett gehalten. Wäre ich mal Weihnachten zu Eltern gefahren. Stattdessen habe ich mich von meinem Freund pflegen, bewirten und küssen lassen. Und da wir uns jetzt so langsam in der kleinen Wohnung ein wenig auf die Eier gehen, muss ich morgen den Hort der Geborgenheit für etwas mehr als 24 Stunden verlassen und darf versuchen, meine durch zahlreiche Außenwände und fehlende Nachbarn ausgewiesene Wohnung mit meinem hübschen Kachelofen wenigstens etwas über 14° zu heizen.
Da hab ich dann eine Frage für euch: Was tun, wenn ein elementares Stück des Lebens, das im Normalfall verfügbar ist, wegbricht?

Einen lieben Gruß vom Krankenbett ans Kankenbett!
Andreas

ANDREAS TÖLLE am 3.1.09 10:40

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